schweren Herzens
Schweren Herzens hat uns unser argentinischer Freund, wegen beruflichen Terminkollisionen frühzeitig verlassen. Unser sensibler Mikrokosmos hat übrigens wunderbar funktioniert und schweren Herzens verlassen wir nun, nur mehr zu zweit „Vanuatu“.
Wir brechen auf nach „Biak“ einer der nördlichen Inseln von „West Papua Neuguinea“ das bereits zu Indonesien gehört. Wir segeln zwischen den „Salomonen“ und dem Festland von „Papua Neu Guinea“ durch die „Vitaz Strait“ 2100 Seemeilen je nach Wind und Wetter in ca. 17 Tagen. Dies sind Dimensionen einer Atlantiküberquerung nur diesmal sind Chrizzly und ich alleine, eine neue Erfahrung für uns - die nach 6 Jahren weltumsegeln schon dringend notwendig war.
Die Erinnerungen an „Vanuatu“ sind noch immer mehr als present, der Vulkan, die einfachen Hüttendörfer, die Herzlichkeit der Menschen und die unfassbare „Millenium Cave“ auf der Insel „Santo“.
Es ist 6 Uhr morgens, meine Schicht beginnt, ich höre starken Regen auf das Deck prasseln, es ist grau in grau und das Meer ist vom Regen glattgebügelt und ich weiss wir sind genau an der Engstelle zwischen irgendeiner Insel und irgendeiner anderen Insel mit eine vorgelagertem Riff, wo die Wetterprognose starken Regen mit Gewitter angesagt hat. Aber zum Glück, keine Blitze und keine bösen Winddreher, sondern nur 30 Knoten und starker Regen. Chrizzly steht am Steuer und ich darf im Trockenen bleiben. Mein Kapitän und Gentlemen.
Und so erinnere ich mich an unseren unglaublichen Ausflug zur „Millenium Cave“. Mein ganzes Leben schon liebe ich Höhlen und klettern natürlich auch, aber die Kombination klingt wunderbar. Früh Morgens holte uns ein Pickup ab. Wieder einmal eine harte Rumpelfahrt Richtung Ausgangspunkt des Höhlenhikes. Wie immer fahren Einheimische auf der Ladefläche mit dir mit, um in eines der entlegene Dörfer zu gelangen. Wir fuhren an satten grünen Wäldern entlang mit mächtigen Bäumen immer tiefer ins Land. Bei einem kleinem Hüttendorf endete die Schotterstrasse und unser Führer begrüsste uns.
Der wirkliche Ausgangspunkt des Hikes ist nur ein Stück durch den Urwald zum Dorf unseres Führers Philipp, dessen Vater im Jahr 2000 diesen Hike eingerichtet hat; daher der Name „ Millenium Cave“. Wie eine satte grüne Oase öffnete sich der Dorfplatz mit seinem palmengedeckten Holzhütten aus dem dichten Dschungel.
Wir wurden eingewiesen, bekamen Schwimmwesten, Juhu was erwartet uns da! Und los ging der Weg zum Höhleneingang. 3 Stunden durch den feuchten dampfenden Dschungel, teilweise nahezu senkrecht Holzleiter hinunter in die Täler und wieder hinauf, den Fluss überquerend und dann standen wir vor dem mächtigen Höhleneingang. Wie eine Handvoll Menschen mitten im Dschungel und wie sich herausstellte eine Unmenge an Fledermäusen.
Der Abstieg über rutschige Felsen in die Höhle war die erste Challenge, aber mein persönlicher Führer Jeff - er hat sofort gemerkt die alte Tante mit Hüftprotese braucht etwas mehr Führsorge - war unglaublich und führte mich sicheren Trittes von einem rutschigen Felsen zum anderen. Ich liebe ja Felsen aber ohne Seil über 5-10 meter hohe rutschige Felsen zu klettern ist schon etwas anderes. jeder Tritt muss passen. Zu diesem Zeitpunkt, war ich so aufgeregt, dass ich gar nicht merkte, das jetzt schon ziemlich erschöpft war. Es wurde immer finstere und die Fledermäuse kreischten über unseren Köpfen, dementsprechend war jeder Felsen der aus dem Wasser ragte, den man zum anhalten benutze natürlich mit Fledernmausscheisse überseht. Egal, Covid ist schon von Fledermäusen übertragen, hier im diesem Dschungel - im Nirgendwo - wird es sicher keine neue Covidvariante geben dachte ich mir, und versuchte bei jeder Gelegenheit meine Hände im unter mir laufenden Fluss zu waschen.
Knietief wateten wir über rutschige im Wasser liegende Steine durch die ca. 300m lange Höhle an wunderbare Stalaktiten entlang. Dann, Licht drang durch den schmalen Spalt des Höhlenausgangs und man erahnte schon von Weiten den saftigen grünen Dschungel, das letzte Stück schwammen wir aus der Höhle.
Einfach wunderbar aus dieser Dunkelheit in das Tageslicht zurückzukommen. Pause. Wie aßen unsere kleines Lunch und die Kräfte kamen zurück. Nun ging es den Fluss entlang bis zu einer definierten Ausgangsstelle nahe des Dorfes - klassisches Canyoning. Das hatte ich noch nie gemacht - ich liebe es! Über teils in Felsen eingeschlagene Tritte und Griffe den Flusslauf zu folgen. An manchen Stellen tobte 8 Meter unter uns der brausende Fluss, imposant und gefährlich ohne Sicherung zu gehen, aber das ist ja Teil des Nervenkitzels.
Nach sicher 1 Kilometer kraxeln begann der wunderbarste Teil - wir schwammen den Fluss entlang durch die teilweise 50m hohe Schlucht an Wasserfällen und unglaublichen Blickpunkten entlang. Der Ausstiegspunkt war erreicht.
Triefend nass mussten wir nochmals senkrechte Holzleitern hinauf auf die Ebene steigen um dann nochmals 30 Minuten bis zum Dorf zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir alle richtig, richtig erschöpft. Aber es war jeden Schweisstropfen wert. Ich konnte diese Schönheit der Natur gar nicht fassen. Im Dorf in trockene Sachen schlüpfen weiter laufen durch den Dschungel Richtung Straße und dann - holtergepolter auf der Ladefläche zurück in die Zivilisation.
Einmalig, eines der schönsten Erlebnisse dieser Reise. Danke an Mutter Natur.