Heim kommen
Noch nie in den letzten 6 Jahren unserer Reise, war ich so reif nach Hause zu kommen.
Wir sind in den letzten 13 Monaten über 7000 Seemeilen gefahren, haben 6 verschiedene neue Länder entdecken ‘müssen’ und haben große Erwartungen an Asien gestellt.
Der große Pazifik liegt hinter uns, die Winde haben ab dem Festland von Papua nachgelassen. Wir haben viele Stunden Motoren müssen um zu unserem derzeitigen Hafen in „Sorong“ „West-Papua“ Indonesien zu kommen. Aber so wie es scheint ist Papua wirklich noch nicht Indonesien und das Asien das wir erwartet haben.
Nach unserem Erlebnis in der Höhle in „Raja Ampat“ sind wir müde geworden, die Abenteuerlust ging komplett verloren. Ohne Abenteuerlust kann man schwer neue Gebiete und neue Kulturen entdecken. Mich sehnt es nur mehr nach sicherer, geordneter Zivilisation, in der das Leben eigentlich leicht gehen sollte.
Auf unserem Weg nach „Sorong“ haben wir uns noch ein paar wenige Highlights von „Raja Ampat“ angeschaut, waren mit unseren jungen Freunden tauchen und ja, die Unterwasserwelt ist außergewöhnlich.
Aber selbst dazu wirkliche Begeisterung aufzubringen viel mir schwer. Ich brauche dringend eine Pause vom Leben am Boot und wir diskutieren schon seit Monaten alle möglichen Lösungen und deren Varianten durch. Wir werden sicher einen guten Kompromiss zwischen Land und Meer finden.
Ja und dann, angekommen in „Sorong„ in der seit Monaten ausgemachten Marina, die das Boot an Land bringen soll, das Antifouling streichen, der Segelmacher alle unsere Segeln reparieren soll und gleich eine neue Segelpersenning. Der Polsterer neue Aussenpölster und der Tischler ein paar Überarbeitungen und unser Dinghi hat den Ausflug unter die Klippen der Höhle langfristig auch nicht überlebt und liegt im Koma. Wird künstlich beatmet, ohne ständigem Lufnachschub ist es flach wie eine Flunder und es kommt Wasser hinein.
Also voller Erwartungen legen wir in der kleinen Marina an und sprechen gleich mit dem zuständigem Chef. Ein alter Australier, sehr nett und hilfsbereit, aber… das Boot an Land bringen geht leider mindestens die nächsten 6 Wochen nicht, da ist irgendwas kaputt und ein riesen Boot blockiert die Slipprampe.
Ungeachtet würde ich an diesem Platz inmitten eines Flusses im nirgendwo wahrscheinlich sterben. Die Marina in der Stadt in der wir jetzt liegen ist wenigstens irgendwie akzeptabel, bis auf den Dreck der im Wasser schwimmt, dem Pool mir 38 Grad Wassertemperatur, dem ungenießbaren Essen und zu guter letzt den Karaokeabenden in voller Lautstärke am Wochenende - der unfassbaren feuchten Hitze und den unmäßig gefräßigen und tagaktiven Moskitos und Tiegermücken in einem Malaria und Dengueefieber Gebiet.
Aber das wäre alles nicht so schlimm, wir sind ja einiges gewöhnt, wenn nicht der angepriesene Segelmacher keinen Zick Zack Stich machen kann, was essenziell für das Segelnähen ist, der Polsterer als einzige Farbe hellgrün hat und der Tischler zwar super Holzarbeiten macht aber sich mit einem modernen Boot mit Corian Küchenarbeitsplatte nicht auskennt - geschweige dem das Material bekommen würde. Ein Dinghi aus dem Ausland importieren ist ein kleiner Staatsakt mit dem Zoll. Und und und … man einfach keine Kraft mehr hat sich mit dem ganzen auseinanderzusetzen.
Um es ganz einfach zu sagen. „Sorong“ ist am Arsch der Welt und nicht einmal die Chinesen liefern dorthin „ es ist ja eine Insel !“.
So was tun? Wir haben alle unsere Pläne und Erwartungen über den Haufen geworfen und werden nächstes Jahr einen neuen Platz suchen müssen - ev. Malaysia - um unsere „Hamaka“ zu refitten, die braucht es dringend.
Aber jetzt einmal zurück zur Zivilisation!
Ich sitze im Flieger mit Anflug auf „Jakarta“ und es kommen mir die Tränen.
Und noch ein paar schöne Fotos für euch, den Plastikmüll und Dreck hier muss ich euch ja nicht zeigen, den kann man sich vorstellen.