Back in the heat

Wir setzen nach einem viel zu kurzem, aber auch viel zu langem Österreichurlaub unsere Reise wieder fort. Zu kurz um in Österreich den Grundstein für einen neuen Lebensabschnitt zu setzten und zu lang um nicht nur auf Besuch zu sein.

Es ist jedesmal das gleiche Dilemma. Voller Freude kommen wir nach Hause, treffen Kinder, Familie und Freunde, werden allerorts liebevoll begrüsst, Geschichten werden ausgetauscht und viel gegessen, mitunter nehmen wir 3-4 kg zu. Dieser Zustand ist wunderbar für ca. 1 Monat, aber danach beginnt sich bei unserem Gegenüber und auch bei uns etwas zu verändern.

Jeder geht seinem geregeltem Leben wieder nach und man trifft sich an und ab, aber wir haben in Österreich kein geregeltes Leben. Nachdem wir alle anfallenden Arbeiten in unserem vermieteten Haus gemacht haben, die Obstbäume geschnitten und bei unseren Eltern ein paar wenige Hausreparaturen und Gartenarbeiten erledigt haben, haben wir einfach nichts mehr zu tun! Eine, für die mich kennen, so und so schreckliche Situation.

Dies ist mit ein Grund warum ich mittlerweile in Österreich nach einem neuem Projekt suche. Es kristallisiert sich auch heraus, dass nun im 7. Jahr leben auf dem Boot, der Reiz des Unbekannten, das Reisen sehr an Attraktivität verloren hat.

Im Gegenteil, Regionen wie diese hier, in West Papua sind wirklich, wirklich anstrengend, und bis auf die tollen Tauchspots in „Raja Ampath“ nicht zwingend eine Reise wert. Die Toleranzgrenze für ganz normale Erlebnisse, die ein Seglern auf den Weltmeeren erlebt sinkt rapide.

Zum Bespiel: Ein und Ausklarien! „Clearence“ in der Seglersprache, das war auf der ganzen Welt, von Europa bis Argentinien und der Tonga bis Fidji jedesmal der gleiche Wahnsinn. Aber diesmal in Indonesien war es wieder einmal ein Pravourstückerl von Amtsschimmel und Dummheit.

Wir wollten in „Sorong“ West Papua ausklariern. Vor dem „Run“ wird auf Google gesucht, wo denn die ganzen Behörden, Immigration, Coustom und Hafenmeister angesiedelt sind. In einer mittelgrossen Stadt wie Sorong ist das schon die erste Herausforderung.

Freitag, wir wussten um 16.00 lt. Internet sperren die Ämter zu und am Monat wieder auf.

Step 1:
Am Rücken eines alten, geborgten Mopeds, leider ohne Helm, im Linksverkehr quer durch die ganze Stadt halbwild, mit teilweise 8 Mopedfahrer in einer Spur und 2 gelben Taxibussen, sogenannten „Gojeks“ auf zum Immigration office. Die Einwanderungsbehörde liegt versteckt hinter einer riesigen Moschee, endlich um 9.30 wir werden höflich in den richtigen Raum gebraucht, der zuständige Officer ist nicht da, wir warten. Nach einiger Zeit werden die hundertausend Formulare die wir bei der Einreise bekamen kopiert, verlegt, in die Mappe zurückgelegt, gesucht, nochmal kopiert- ein Loriotsketch hätte nicht besser sein können.

Bis uns gesagt wurde, wir müssen aber vor dem Stempel der Immigration, noch zu Quarantänebehörde. Wie bitte!? Beim einchecken versteht man das jeder einen Healthüberprüfung machen muss aber beim Auschecken auch? Die spinnen die Indonesier. Aber man fügt sich, was bleibt einem denn übrig. Jetzt kam vom Officer noch die Ansage, aber von 11.30- 13.00 macht er eine Pause zum Moslemischen Gebet. OK, das schaffen wir 10.45 Abfahrt zu Quarantänebehörde.

Step 2:
Auf der Suche nach der Quarantänebehörde, vergingen die Minuten, denn unsere Hoffnung war vor 11.30 wieder in der Immigration zu sein. Wir haben es geschafft, wieder durch die engen, überfüllten Gassen, zum Glück sind wir schon ein bisserl ortskundig in dem Wahnsinn hier.

Step 3:
11.15 geschafft wir sind zurück in der Immigration, jetzt muss er nur mehr unsere Formular abstempeln. ABER! er will nicht mehr arbeiten, sein Kollege der die ganze Zeit neben uns irgendwelche anscheinend, lustigen Reels geschaut hat ist ja auch schon gegangen. Also sollen wir um 14.00 wieder kommen. Nein, Nein, Nein, ich komm sicher früher, denn wir haben ja noch 2 Behörden bis 16.00 abzuhandeln.

Step 4:
Somit sind wir gezwungen auch eine Mittagspause einzulegen und geniessen das letzte Mal in Sorong das eher zweifelhafte Mittagessen, was es hier gibt. Geniessbar aber auch nicht mehr.

Step 5:
13.15 Zurück zur Immigration, das Office noch leer. Gemütlich um 13.40 trudeln die Herrn Beamten ein. Es werden wieder Papiere kopiert und ein Uniformierter, der Chef der Truppe, der allerdings kein Wort Englisch sprach - was ja auch Sinn macht als Leiter der Einwanderungsbehörde - gestikuliert wild herum. Bis man uns sagte. Wir hätte ja gar nicht für drei Monate ausreisen dürfen und das Boot hier im Hafen lassen. Man zeigte uns den kleingeschrieben Vermerk auf irgend einem der hundert Papierdln und ich sagte nur. „UND WAS SOLLEN WIR JETZT MACHEN, ICH KANN ES NICHT MEHR ÄNDERN !“

Ja genau so war es dann auch, auf einmal war es dann doch OK und wird durften mit unserm Stempel im Pass um 14.15 das Office verlassen. Nein, die Nerven waren noch nicht blank, es kommt noch mehr!

Step 6:
14.30 Ankunft in der Zollbehörde, um jetzt nicht noch mehr auszuholen. Es war uns ob, der wideren Umstände und der Bürokratie nicht möglich nicht einmal ein neues Dinghi in Sorong einzuführen. Wieder schaute sich ein neuer Officer diesmal in netter schwarzen Uniform die Papiere an. „Heute wollt ihr noch ausklarieren, Freitag ?“ Ja, genau, heute Freitag, jetzt, denn wir sind eigentlich lt. Pass schon ausgewandert. HAHA.

Ungläubige Augen des Officers und dann hat er sich selbst ins Fleisch geschnitten, denn sie wollen aufs Boot kommen und überprüfen. Das bedeute Arbeit am Freitag Nachmittag. Zu Dritt in einem Dienstauto und wir auf unserem Moped zurück durch die ganze Stadt Richtung Hafen, dort wurde natürlich eine Menge Selfies mit dem ach so schönen Boot gemacht und nebenbei ein Foto der eingebauten Motoren. Wie wenn ich hier, in diesem Ort gäbe es ja nicht einmal eine Kran, einen Motor auszutauschen könnte. Soll ich das Thema Arbeitsbeschaffung ansprechen, Nein, es kennt sich hier jeder aus.

15.00 zurück im Office.

15.50 haben wir den Stempel und ab zum Hafenmeister. Wir haben noch 10 Minuten bis er zusperrt.

Step 7:
Wie die Feuerwehr 15.54 sind wir bei Hafenmeister Office - werden wieder nett empfangen und einer nimmt alle Papierdeln mit, ja wir werden eine kleine Gebühr zahlen müssen, OK. Es vergehen die Minuten, die Viertelstunden, alle Mitarbeiter verlassen das Büro und tragen sich aus. Wir beschliessen in der Nähe der Stechuhr zu bleiben, da kann uns niemand entgehen. Nach 40! Minuten werden uns 3 Rechnungen detailliertes aufgeschlüsselt um insgesamt keine 18 Euro verrechnet und wir dürfen gehen.

Genial wir dürfen Sorong verlassen! Am Weg zurück nach Raja Ampath und weiter auf die Phillipinen, denn Indonesien reicht uns beiden erstmal. Aber dazu mehr in de nächsten Geschichte.

Ursula Jäger1 Comment