Sehnsucht nach Blau

Was macht es aus, dass mein Herz zufrieden wird und manchmal auch leichte Luftsprünge macht, wenn ich türkblaues Wasser sehe. Blau ist und war schon immer meine Lieblingsfarbe und verschafft mir einfach Wohlbefinden.

Wenn man so wie ich seit 6 - nun fast 7 Jahren - ständig von Blau umgeben ist, dann lernt man sehr zu differenzieren zwischen den verschiedenen Arten von Wasserblau. Dem strahlendem leuchtendem Türkis wenn man auf einer weissen Sandfläche vor Anker liegt, dem Dunklegrünblau wenn man in der Nähe von Mangroven liegt oder dem tiefen Blau des offenen Ozeans, das schnell einmal zu einem tiefem, fast schwarzem Dunkelblau wird, wenn sich das Wetter verändert und eine dunkle Wolke über einen drüber zieht. Oder das farblose Blau, wenn der Himmel wie mit Kübeln regnet. Oder das wohl beeindruckendste kristallklare Blau des 5000m tiefen Atlantiks, wenn du mit der Taucherbrille zum ersten Mal in deinem Leben in diese Unendlichkeit blickst.

Vielleicht sind wir auf dieser Reise nur auf der Suche nach Blau - und wahrscheinlich ist das mit ein Grund, warum wir unsere Pläne nun dermassen geändert haben. Wir wollten uns gesamt Indonesien von den Molukken bis Bali und Java ansehen, sind nun aber in den Philippinen gelandet. Vielleicht haben wir auch die Flinte zu früh ins Korn geworfen und aus Angst heraus Indonesien nicht weiter bereist, aber nach dem teilweise ernüchternden Zuständen in West Papua - dem unfassbar verschmutzen braungrauem Wasser um „Sorong“ herum das viele Seemeilen brauchte, damit die Wasserqualität besser wurde - haben wir schlicht und einfach unserer Pläne geändert.

Eigentlich cool die Freiheit zu haben dies zu tun. Natürlich spricht auch die derzeitige Windrichtung eher für eine Route über Philippinen, Borneo nach Malaysia als über die Java See. Und es sind ja nur lächerliche 5 Tage Segeln um die erste Inselgruppe Richtung „Cebu“ zu erreichen. Vollen frohen Mutes und Entdeckergeist legten wir los, machten noch Zwischenstop in der wunderschönen Inselgruppe „Wayag“ um ein paar Postkartenfotos zu schiessen, und mit einem österreichischem Freund und seiner süssen papuanischen Frau am Strand für deren Tourgäste gemeinsam zu kochen. Fisch am Spiess und Steckerlbrot, dann setzten wir uns alle auf einen riesigen Baumstamm am mehlig feinem Strand und schauten dem Sonnenuntergang entgegen.

Ja das kann schon was, aber selbst in dieser absoluten Einsamkeit in eine Inselgruppe die erst in den letzten Jahren zur Traumdestination aller Postkartenbilder schiessender Menschen wurde, war das Meer mit Plastikmüll versaut. Wir haben bei unser Überfahrt tagelang nur Plastiksackerl auf unseren Hochseeangeln gefangen. Bravo Indonesien! In diesem Land gibt es einfach keine stattliche, geordnete Müllentsorgung. Der Müll landet einfach im Meer und das ist ganz normal hier. Erschreckend. Selbst in Französich Polynesien haben einzelne Atolle Mülltrennung und v.a. zuerst mal Entsorgung betrieben, oder nach alter Tradition in einem Erdloch den Müll im Garten verbrannt. Das ging noch gut, bevor unsere Gesellschaft in Plastik unterging.

Aber jetzt! In „Biak“ unserem, ersten Anlegepunkt in Indonesien, machten wir ein Ocean Clean up unter Wasser. 12 Taucher sammelten sackweise Plastikflaschen aus dem kleinen Korallenriff bei unserem Ankerplatz. Wenn man ein bisserl in die Sozialen Medien schaut, sieht man erschreckende Müllstrände in Bali und Lombok. Also wie geht man damit um, dass das Meer vermüllt ist, wenn man auf der Suche nach dem kristallklarem Blau ist. Eine Lösung ist es vielleicht Länder zu meiden, in denen es keine staatlichen Konzepte gibt, und ja, Indonesien ist definitiv eines davon. Wahrscheinlich gehen Philippinen und Malaysia auch nicht besser mit ihrem Müllproblem um, aber hier ist man durch die Meeresströmungen anscheinend begünstigt, denn das Wasser ist kristallklar und leuchtet wieder Türkisblau. Es kommt einem nur der Gedanke, wie lange wird das hier noch besser sein, denn die Vermüllung der Meere ist - so wie der Mensch derzeit damit umgeht - nicht aufzuhalten.